Die Reform ist misslungen!

Der OrgPlan JgB26 taugt nichts

Die Spittaler Personalvertreter fordern 3.Kp im JgB26 v.l.n.r. Faller, Peball, Trattnig, Grote
Die Spittaler Personalvertreter fordern 3.Kp im JgB26 v.l.n.r. Faller, Peball, Trattnig, Grote

Ziel der Reform war es, mehr Schwergewicht und Soldaten bei der Truppe zu haben. Genau das Gegenteil ist passiert, man hat zu Gunsten höherer Kommanden wieder bei der Truppe Arbeitsplätze gestrichen, beziehungsweise abgewertet. Von einer Stärkung der Truppe ist man derzeit meilenweit entfernt...

 

Wie in der letzten Ausgabe Heer Aktiv bereits berichtet, wäre unser Ansatz gewesen, die jetzigen Bataillone im ersten Schritt zu stärken und mit zusätzlichem Kader sowie mit je einer neu aufgestellten Kompanie auszustatten und erst bei Erfolg, im zweiten Schritt funktionierende Ausbildungsbataillone aufzustellen. Zusätzlich soll noch erwähnt sein, dass durch die Planstellenbesetzungsverordnung die Kommandantenverantwortung nach wie vor untergraben wird und eine ordnungsgemäße Personalplanung dadurch unmöglich ist. Dem Nachwuchs werden dadurch alle Aufstiegsmöglichkeiten verbaut.

Beim JgB26 (HGeb) wurde mit 01.11.2017 der Organisationsplan Typ C verfügt

Wir möchten anhand einiger Beispiele die derzeitige Situation im Bataillon bezüglich des Organisationsplans darlegen:

  • Die Fußnote mindestens „5 Jahre ZgKdt“ wurde im Organisationsplan wieder nicht gestrichen. Bei diesen Arbeitsplätzen wird es in Zukunft zu massiven Problemen bei der Nachbesetzung kommen.
  • Es ist keine Trennung aller Arbeitsplätze mit Doppelfunktionen erfolgt. Beispiel: Wie ist dies zu begründen, wenn ein GrpKdt gleichzeitig 1.TrpKdt ist und dieselbe Wertigkeit erfährt als „nur“ sein 2.TrpKdt?
  • Weiterhin keine Trennung der beiden Funktionen WiUO & KzlUO
  • Keine Systemisierung eines Arbeitsplatzes Kdt ZgTrp & stvKdt KUZg VerwGrp M BUO FG 1. Im Gegenteil, man hat den ZgKdt KUZg von der FG 3 auf FG 2 abgewertet.
  • Gestrichen wurde auch der 3. Feldküchentrupp. Somit wird es in Zukunft bei der Versorgung im Frieden und Einsatz (Verlegungen, Übungen, Kurse usw.) unweigerlich zu Problemen und Engpässen kommen.
  • Die bereits befehlsmäßig verfügte zusätzliche Kompanie mit Standort Türkkaserne in der Spittal an der Drau wurde kurzfristig gestrichen und nach Klagenfurt verlegt.

Traurig aber wahr: Eine Kompanie dreimal verloren

Personalprobleme, wo man hinschaut. Foto: Arno Pusca
Personalprobleme, wo man hinschaut. Foto: Arno Pusca

Das JgB26 bestand bis zur vorletzten Reform aus Kdo&StbKp, 1.JgKp, 2.JgKp, 3.JgKp und einer KUKp. Alle diese Kompanien waren in Spittal/Drau stationiert. In dieser Struktur konnten verschiedenste Übungen, AssEinsätze und sogar Auslandseinsätze absolviert und darüber hinaus Abstellungen und Kaderfortbildungen erfolgreich durchgeführt werden.

 

Nach dem schmerzhaften Verlust der traditionellen Tragtierstaffel folgte eine weitere Personalreduzierung in der Türkkaserne, als man 2008 die 3.JgKp das erste Mal wegreformierte.

1. Mal: 3.JgKp in Spittal/Drau gestrichen, Tamsweg erhalten!

Im Zuge der Reform 2008 hat man dafür im selben Atemzug die 3.JgKp in Tamsweg erhalten. Mit einem Schlag wurden in der Türkkaserne 900er produziert und die Perspektiven des jungen Kaders auf attraktive Arbeitsplätze zerplatzten. Das Kaderpersonal der ehemaligen 3. JgKp wurde in den folgenden Jahren so gut als möglich versorgt. Das Ergebnis: Gruppenkommandanten mit Dienstgrad Vizeleutnant!

 

Nicht nur die örtliche Trennung zur Struckerkaserne in Tamsweg war eine Herausforderung, sondern auch die knapp 300 Kilometer und über 3 Stunden Fahrzeit zum Vorgesetzten Kdo der 6.JgBrig nach Absam in Tirol. Dies grenzte oft an eine logistische Meisterleistung und förderte die Stärkung der Kameradschaft nur schwer.

2. Mal: 3.JgKp/JgB26 in Tamsweg an JgB8 abgegeben, nichts erhalten!

Nach langen Diskussionen um die Liegenschaft Tamsweg „Schließung Ja/Nein“ wurde schlussendlich 2017 die 3.Kp/JgB26 in Tamsweg, sogar als neue 1.JgKp/JgB 8 in Salzburg „aufgewertet“. Gleichzeitig hat sich mit dem Verlust dieser Kompanie der Personalstand im JgB26 deutlich reduziert; das Bataillon hat ab diesem Zeitpunkt de facto eine Kompanie weniger.

 

Mit der Unterstellung als neues AusbJgB7(JgB26) zum MilKdo Kärnten wurden jedoch die Aufgabenbereiche um die Milizverantwortung JgB Kärnten und die Ausbildung der Laufbahnkurse Kaderanwärter 1 und 2 erweitert. Mit dem Erhalt der Alpinkompetenz durfte das JgB26 ihre Fähigkeiten auch im Bereich des KdoGebKpf auf die Probe stellen.

Spittaler Personalvertreter fordern 3. JgKp im JgB26

Gebirgskompetenz muss wieder erhöht werden. Foto: Amir Beganovic
Gebirgskompetenz muss wieder erhöht werden. Foto: Amir Beganovic

Auf Anregung des örtlichen Dienststellenausschusses forderte das Bataillon zu Jahresbeginn 2017 eine zusätzliche JgKp, um den Verlust der 3. JgKp Tamsweg zu kompensieren und damit die zahlreichen Aufgaben bewältigen zu können.

 

Die hochwertige Ausbildung der zahlreichen Kaderanwärterkurse 1 und 2, Einsatzvorbereitungen für Auslandseinsätze und die Verantwortung und Bewirtschaftung des Miliz-Jägerbataillons Kärnten bringen das Kader der Türkkaserne an ihre Leistungsgrenzen. Grundsätzlich sind Hochgebirgssoldaten gewohnt ans Limit zu gehen, aber nicht auf Dauer, so der Kärntner Zentralausschussmandatar und Vorsitzende des Dienststellenausschusses der Türkkaserne Vzlt Volker Grote.

 

Ein wesentlicher Faktor wäre auch die Erhöhung der Gebirgskompetenz als gesamter Verband und die Kräftegestellung für Inlands- und Katastropheneinsätze. Zurzeit muss oft auf Kräfte der Kaderpräsenzeinheit zurückgegriffen werden, um die notwendigen Stärken und Mittel aufzubringen. Die KPE-Einheit ist aber grundsätzlich für einsatzrelevante Aufgaben, Übungen im Ausland und Auslandseinsätze vorgesehen.

 

Mit einer zusätzlichen Kompanie und einer damit verbundenen höheren Kontingentierung an Grundwehrdienern würde unser Verband auch in der Übungsfähigkeit wesentlich profitieren.

 

Im Moment hängt alles an einer Jägerkompanie! Das Kaderpersonal wird überbelastet, in der Fort- und Weiterbildung sowie beim Qualifikationserhalt massiv eingeschränkt, damit die laufende Ausbildung der Grundwehrdiener und Kaderanwärter und die zahlreichen Zusatzaufgaben nicht leiden.

 

Diese Argumente des Dienststellenausschusses der Türkkaserne sind auch in Wien auf „offene Ohren“ und Verständnis gestoßen.

3. Mal: Zugesagte Kompanie verloren, ohne je da gewesen zu sein?

Die Motivation darf nicht verloren gehen. Foto: Stefan Noisternig
Die Motivation darf nicht verloren gehen. Foto: Stefan Noisternig

Mit der Zusage dieser geforderten Kompanie (1.Kp/JgB7“Neu“) sah man endlich wieder Licht am Ende des Tunnels und wurde gleichzeitig in der Forderung nach Personalerhöhung bestätigt. So wurden bereits Personaleinsatzpläne namentlich befühlt, älterer Kader motiviert sich zu verändern und Kadernachwuchs versucht zu gewinnen.

 

Mit der plötzlichen Unterstellung zum KdoGebKpf scheint diese bereits zugesagte Kompanie wieder in weite Ferne gerückt. Verständlich, dass sich die Ambitionen seitens des MilKdo Kärnten und Tirol in Grenzen halten, eine Dienststelle „zu stärken“, die eigentlich zu keinem Bundesland so wirklich dazu gehört. Aber beide Seiten sind froh, jederzeit auf dieses Personal zugreifen zu können, wenn es um Abstellungen oder „Sonderwünsche“ geht.

 

Egal welchem Befehlsbereich das JgB26 in Zukunft unterstellt sein wird, wir Personalvertreter der AUF/AFH werden uns auch weiterhin vehement für eine 3.JgKp/JgB26 in der Türkkaserne einsetzen. Denn nur so können die Zusatzbelastungen in der nötigen Qualität absolviert werden.

 

Mit dem Ziel: Kaderstärke erhöhen, die Miliz stärken und die Grundwehrdienerausbildung attraktiveren.

Da darf man sich aber schon einmal fragen: „Wo bleibt nun die Stärkung der Truppe, Herr Bundesminister?“