Nicht ganz im Ziel!

Der neue Organisationsplan Jägerbataillon 25

AUF/AFH Personalvertreter Obstlt Wolfgang Kautzki vom JgB25
AUF/AFH Personalvertreter Obstlt Wolfgang Kautzki vom JgB25

Wie die Masse der anderen Jägerbataillone (JgB) wird auch das JgB25(KPE) noch heuer einen neuen Organisationsplan (OrgPlan) einnehmen. Im Gegensatz zu den anderen Jägerbataillonen, für die der OrgPlan JgB „Typ C“ vorgesehen ist, wurde das JgB25(KPE) in die im heurigen Jahr durchgeführte OrgPlan-Evaluierung offiziell gar nicht und auch sonst nur in unbefriedigendem Ausmaß eingebunden...

Dies war und ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass das JgB25(KPE) seit 2011 als Kaderverband geführt wird und daher eigentlich prädestiniert für eine federführende Rolle bei der Überarbeitung des OrgPlans gewesen wäre. Ebenso verwunderlich stimmt, dass weder die für 2013 vorgesehene Zwischenevaluierung noch die für Ende 2015 angeordnete OrgPlan-Evaluierung stattgefunden haben.

Was bringt der neue OrgPlan Gutes? Es wäre falsch und nicht aufrichtig, alles schlecht zu reden.

Positiv hervorzuheben ist zweifellos die Umstellung der Masse der stellvertretenden Gruppenkommandanten von Chargenposten zu „Unteroffizieren mit Zeitlaufbahn“ (MV bzw. ehemals MZUO). Dadurch wird einerseits die Führungsfähigkeit der untersten Führungsebene deutlich verbessert und andererseits wird dem Kadernachwuchs, der zumindest im JgB25(KPE) in hoher Quantität gepaart mit hoher Qualität vorhanden ist, eine entsprechende Zukunftsoption geboten.

 

Auch die personelle Stärkung des Kraftfahrbereiches durch zusätzliche Aufnahmen von Heeresfahrlehrern, die bei entsprechender Zusatzausbildung auch die Vertretung des Kraftfahrunteroffiziers wahrnehmen können, wird den Dienstbetrieb erleichtern. Bis dato waren einige Zugskommandantenfunktionen als Einstiegsverwendung für Offiziere vorgesehen, von denen viele nicht besetzt werden konnten. Hier erfolgte eine Umstellung zu Unteroffiziersarbeitsplätzen. Dadurch wird nicht nur der prekären Situation im Bereich des Offiziersnachwuchses – die aktuelle Stärke des heurigen Ausmusterungsjahrganges an der Theresianischen Militärakademie beträgt 21 - Rechnung getragen, sondern auch eine unverhoffte Aufstiegs- und Weiterentwicklungsmöglichkeit für Unteroffiziere geschaffen.

 

Zu guter Letzt wurde auch die Ankündigung des Herrn Bundesministers, dem Personal Lebenslaufbahnen zu bieten, dadurch umgesetzt, dass ein Großteil der bisherigen MZUO-Arbeitsplätze nunmehr als MBUO bzw. entsprechend der neuen Bezeichnung als „MU“ bewertet ist. Das sollte Abwanderungstendenzen, sei es Versetzungen zu anderen Dienststellen, sei es dem Wechsel in den zivilen Bereich („Abrüsten“) entgegenwirken und damit den Verlust von jungen und meist hochqualifizierten Unteroffizieren reduzieren.

Viele gute Vorschläge blieben unberücksichtigt

Foto: Pusch
Foto: Pusch

Sowohl durch die betroffenen Kommanden als auch durch deren Dienststellenausschüsse, wurden im Zuge der OrgPlan-Evaluierung wohl bedachte und auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Vorschläge vorgelegt. Die Berücksichtigung dieser Beiträge lässt sich wenn überhaupt nur marginal erahnen. Dabei muss zwischen Anregungen, die alle Bataillone betreffen und solchen, die in der Eigenart des jeweiligen Truppenkörpers liegen, unterschieden werden.

 

Ein allgemeines Problem liegt im Bereich der Milizbearbeitung. Die Anstrengungen im Bereich der Miliz werden erhöht und auch die Personalstärken steigen. Im OrgPlan wird dieses Faktum jedoch nicht nur ignoriert, sondern vielmehr konterkariert, da beispielsweise im JgB25(KPE) der „zweite S3UO“ und der „Sachbearbeiter Pers“ gestrichen bzw. entsystemisiert wurden. Auch im Logistikbereich gibt es trotz zusätzlicher Aufträge und zusätzlichem Gerät nicht mehr Personal.

 

Im Bereich der Waffeninstandsetzung wurde auf den erhöhten Bedarf, der aufgrund der geänderten Sicherheitsbestimmungen für das Scharfschießen entstanden ist, nicht reagiert. Die Bataillone müssen weiterhin mit zwei Waffenmeisterunteroffizieren das Auslangen finden. Im JgB25(KPE), mit einem durchschnittlichen Befüllungsgrad von 80 Prozent bezogen auf die Gesamtstärke, werden dadurch die Sicherstellung der Ausbildung und das Halten der materiellen Einsatzbereitschaft fast unmöglich.

 

Rahmenverbände sind mit Ausnahme ihrer Kaderpräsenzeinheiten (KPE) nur während der Einrückungstermine mit bekanntermaßen geringen Kontingenten ausgelastet. Im Gegensatz dazu gilt es in einem geschlossenen Kaderverband, die erforderlichen Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen parallel zur permanent laufenden Ausbildung, Einsatzvorbereitung sowie zu Einsätzen im In- und Ausland zu erledigen. Als Hauptbewaffnung wird das Sturmgewehr (StG) 77 A2 Kommando verwendet; nach mehr als zwei Jahren Nutzung steht fest, dass schon bei den Waffenüberprüfungen drei- bis vier Mal so viel Zeit benötigt wird wie beim „normalen“ StG77 A1.

 

Klarerweise wird in einem Kaderverband auch deutlich mehr Schießausbildung durchgeführt, bei der die Anwesenheit eines Waffenmeisters nunmehr ab Kaliber 7,62 mm zwingend vorgeschrieben ist. Abgesehen von der für jeden Soldaten vorgesehenen und auch ausgegebenen Doppelbewaffnung mit Sturmgewehr und Pistole, verfügt das Bataillon über zahlreiche weitere zusätzliche Waffen. Beispielsweise wird auf die Waffenstation des geschützten Mehrzweckfahrzeuges IVECO und des Mannschaftstransportpanzers Pandur verwiesen. Durch den für das Jahr 2018 angekündigten Zulauf der schweren Scharfschützengewehre wird die Lage noch weiter verschärft. Hier wäre eine Nachjustierung, im Konkreten eine Aufstockung der Waffenmeisterunteroffiziere, dringend erforderlich.

Unverzichtbare Arbeitsplätze wurden gestrichen

Hochqualifizierte Sanitätsarbeitsplätze wurden gestrichen. Foto: Michael Steinberger
Hochqualifizierte Sanitätsarbeitsplätze wurden gestrichen. Foto: Michael Steinberger

Nicht nachvollziehbar ist die ersatzlose Streichung des EloMechUO. In Anbetracht der nicht nur als „Soll“ sondern tatsächlich vorhandenen Geräteausstattung ist die Abdeckung dieser Kompetenz unerlässlich, um die selbständige Auftragserfüllung zu gewährleisten. Das Unverständnis über diese Entscheidung wird noch größer, wenn man an die für diese Spezialfunktion erforderliche und durch den EloMechUO des JgB25(KPE) absolvierte Ausbildungsdauer von ca. 2,5 Jahren denkt.

 

Auch der Sanitätsbereich musste Federn lassen, ein Sanitätsunteroffizier in der Qualifikation eines diplomierten Gesunden- und Krankenpflegers sowie 2 Notfallsanitätsunteroffiziere haben ihren Arbeitsplatz verloren. Neben den Ausbildungs- und Einsatzerfordernissen wird so auch der Betrieb der truppenärztlichen Ambulanz (TAsZ/JgB25), die für die stationäre Sanitätsversorgung der gesamten Garnison Klagenfurt verantwortlich ist, gravierend beeinträchtigt. Die vorgeschlagene Aufnahme der Zusatzqualifikation Rettungssanitäter bzw. Notfallsanitäter für Chargen auf Zugsebene ist nicht erfolgt. Gerade in Anbetracht der Designierung des JgB25(KPE) für Einsätze aller Art ist diese Entscheidung zu hinterfragen, denn die Gesundheit unserer Soldaten sollte doch höchste Priorität genießen.

 

Kritisch betrachtet werden muss die Einschränkung der Führungsfähigkeit des Bataillonskommandos. Die Stärke der Stabsgruppen 2 und 3 wurde halbiert. Somit wird nicht nur der normale Dienstbetrieb nicht mehr in der bisherigen Qualität gesteuert werden können, sondern auch die Schichtfähigkeit im Einsatz in Frage gestellt.

 

Die Entsystemisierung des Offiziers für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation bzw. die Zuordnung dieser Aufgabe zum S1 als Doppelfunktion wird vor allem die Fortführung der Maßnahmen zur Personalgewinnung beeinträchtigen.

 

Durch die Abkehr vom bisherigen Rotations-OrgPlan, in dem alle Arbeitsplätze systemisiert und als KPE-Arbeitsplatz ausgeworfen waren, und die Zuordnung eines Kombinations-OrgPlans („Friedens-OrgPlan“) sowie eines Einsatz-OrgPlanes wird das „System KPE“ in Frage gestellt, denn für eine Einteilung im K-OrgPlan ist somit keine KPE-Freiwilligkeit mehr erforderlich. Für den Bediensteten stellt diese Änderung zwar keinen Nachteil dar, sehr wohl aber für den Verband. Ab sofort kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass vor allem in Schlüssel- bzw. Spezialfunktionen Lücken entstehen werden.

 

Noch besteht Hoffnung, dass die zuvor angeführten Arbeitsplätze im Einsatz-OrgPlan systemisiert werden, wodurch eine Besetzung im Zuge der Überleitung möglich wäre. Dadurch würde die Problematik aber auch nur vorübergehend gelöst, denn eine gegebenenfalls erforderliche Nachbesetzung wäre nicht möglich. Das betroffene Personal könnte bis zu einer nicht auszuschließenden und für 2021 angedachten KPE-Entdesignierung auf diesen Posten verbleiben und würde dann für die jahrelang erbrachte Leistungs- und – im wahrsten Sinn des Wortes – Einsatzbereitschaft mit der Versetzung „über den Stand“ belohnt.

Verbesserungsvorschläge zu Arbeitsplatzbewertungen

Immer weniger Personal für schwierigere Aufgaben. Foto: Bundesheer.at Tom Weber
Immer weniger Personal für schwierigere Aufgaben. Foto: Bundesheer.at Tom Weber

Nur kurz gestreift werden die Arbeitsplatzbewertungen. Im Großen und Ganzen gab es hier keine Änderungen. Details regen aber doch zum Nachdenken an:

 

Wie soll man etwa begründen, dass manche Gruppenkommandanten gleich eingestuft werden wie ihre Stellvertreter? Dieser Missstand ist in der Zusammenlegung der ehemaligen MBUO2 mit den bisherigen MBUO1/Grundlaufbahn begründet. Würden, wie es die AUF/AFH fordert, zwei zusätzliche Verwendungsgruppen im Bereich der MU eingeführt, könnte dieser Makel rasch behoben werden.

 

Welche Erklärung gibt es für die Abwertung des Kommandanten Kampfunterstützungszug in der Jägerkompanie? Die Zugsstärke und die Aufgaben des Zuges haben sich in keiner Weise geändert und auch der geforderte stellvertretende Zugskommandant (keine Doppelverwendung) wurde nicht im OrgPlan aufgenommen.

 

Darüber hinaus wären eine generelle Neubewertung aller Arbeitsplätze und auch die Aktualisierung der Masse der Arbeitsplatzbeschreibungen höchst angebracht. Aber bitte nicht im Schnellschuss-Verfahren!

 

Die Spezifikation und Designierung als einziger luftbeweglicher(lubwgl) Verband des ÖBH wurden in LV 21.1 hochoffiziell bestätigt. Um auch tatsächlich die Aufgaben eines Luftlandeverbandes erfüllen zu können, wurde die Schaffung einer „Zonengruppe“ vorgeschlagen, die für die Erkundung, Vorbereitung, Sicherung und das Betreiben von Landezonen benötigt wird. Auf Kompanieebene sollte ein Luftlandeerkundungstrupp geschaffen werden. Beiden Anregungen wurde nicht entsprochen. Somit verbleibt die Bezeichnung „JgB lubwgl“ der einzige Hinweis auf das Alleinstellungsmerkmal des JgB25.

 

Zumindest bis zum Kommando 7. Jägerbrigade wurde versucht, hier zu retten, was zu retten war. Was auf den höheren Führungsebenen geschah, ist unbekannt. Durch den Zentralausschuss wurde dem vom Dienstgeber vorgelegten und mittlerweile verfügten OrgPlan mehrheitlich und leider so gut wie vorbehaltlos zugestimmt. Vorgestaffelt gab es lediglich eine Beratung über diese zweifellos wichtige und viele Bedienstete direkt betreffende Thematik.

 

Die hohen Erwartungen in den neuen OrgPlan wurden alles andere als erfüllt. Anstatt den jeweiligen Besonderheiten und Bedürfnissen Rechnung zu tragen, wurde unter dem Motto „one fits all“ eine Einheitslösung angeordnet, die hoffentlich bei der dringend erforderlichen und spätestens in zwei Jahren anzusetzenden neuerlichen Evaluierung bereinigt wird.

 

Auch wenn die sachlich begründeten und keineswegs überhaltenen Vorschläge und Argumente des JgB25(KPE) nicht angenommen wurden, werden die Roten Barette weiterhin alles daran setzen, die erteilten Aufträge pünktlich und gewissenhaft im Sinne des Ganzen zu erfüllen; und das wie immer mit

Mut, Tapferkeit und Treue!

Führungspersonal wird knapp. Foto: Manfred Raunegger
Führungspersonal wird knapp. Foto: Manfred Raunegger
Gleiche Arbeitsplatzbewertung von Gruppenkommandant und Stellvertreter ist falsch. Foto: Christian Kickenweiz
Gleiche Arbeitsplatzbewertung von Gruppenkommandant und Stellvertreter ist falsch. Foto: Christian Kickenweiz