Der Unteroffizier im militärischen Alltag

Vizeleutnant Erich Mak über das Altwerden im Bundesheer

Im Militärstrafgesetz ist der Begriff „unehrenhafte Entlassung“ genau definiert und jedermann bekannt. Seit einiger Zeit grassiert jedoch ein sehr befremdlicher Begriff, der da lautet, „unehrenhafter Verbleib in der Armee“. Ich möchte im folgenden Text diese „Bezeich­nung“ genauer unter die Lupe nehmen:

 

Auf Grund herrschender Pensions­gesetze ist das Regelpensionsalter mit 62 bzw. 65 Jahren erreicht. Die Überalterung im Bundesheer steht praktisch schon vor der Türe, daher gilt es vieles zu überdenken und neu zu beurteilen...

 

Die Praxis sieht zur Zeit so aus: Viele Unteroffiziere haben im Außendienst ihre besten Jahre gegeben und sind nunmehr in einem Alter angekommen, wo man auch beim besten Willen mit den jungen Unteroffizieren bzw. mit den Rekruten körperlich nicht mehr mithalten kann. Mit Abnutzungs­erscheinungen, Wehwehchen und teilweise auch einer ausgewach­senen Krankheit ist die Ära der „guten Jahre“ zu Ende gegangen.

 

Die logische Konsequenz wäre daher der Umstieg in den Innen­dienst. Meiner Meinung ist der Preis dafür sehr hoch! Diese dienst­liche Änderung hat oft zur Folge, dass sich die altverdienten Soldaten der Generation 50-Plus plötzlich vor einem Computer wiederfinden. Nach einer dürftigen, wenn über­haupt erfolgten Einschulung nach dem Motto: „Friss oder stirb“, müssen sie sich mit der digitalen Bürokratie herum plagen.

 

Die Situation stellt sich für die Betroffenen dabei sehr unter­schiedlich dar, manche lernen eben leichter, andere nicht. Man wird aber das Gefühl nicht los, dass gerade diese Unteroffiziere, die Jahrzehnte lang der „Firma Bundes­heer“ gute Dienste geleistet haben, nunmehr den eigenen Einheiten zur Last zu fallen scheinen.

 

Einigen mag diese Situation egal sein, aber für viele ist sie jedoch unerträglich, da sie einem Totalab­sturz gleichkommt. Die Übereinstim­mung zwischen den eigenen Idealen und Werten stimmt mit der tatsächli­chen Lebensarbeitspraxis nicht mehr überein, für den Einzelnen ein Verlust seiner Integrität.

 

Noch vor kurzem arbeitete der Unter­offizier mit Autorität und brachte sein ganzes Fachwissen in den täglichen Dienstbetrieb ein. In vielen Belangen diente er als Vorbild, stellte als Unter­offizier das Rückgrat des Bundesheeres dar. Und nun wird er in dieser schnell­lebigen, digitalen Zeit auf einmal zum Bittsteller.

 

Das System würde durchaus vernünf­tige (theoretische) Ausstiegsszenarien für ältere Unteroffiziere vorsehen, in der Praxis scheitert der Umstieg aber an einer anderen Alters- bzw. Personen­gruppe. Denn durch Schließungen und Strukturanpassungen hat es gerade in Kärnten einige jüngere Unteroffiziere erwischt und irgendwie sind sie einfach übrig geblieben. An Stelle der „altge­dienten Soldaten“ aus dem Außen­dienst „müssen“ 35 bis 45-jährige Soldaten aus der Gruppe der „900er“ für Funktionen wie „OvT-S“ bzw. Sicherheits-Dienstbetrieb oder Fami­lienbetreuer usw. eingeteilt werden.

 

Diese Aufgaben jedoch wären für ältere Bedienstete (50 Plus) eine Möglich­keit, in Würde weiter ihren Dienst zu versehen, da diese Aufgabenstellungen und Rollen eher zu Bewerkstelligen sind.

 

Mir ist völlig klar, dass ich nicht für alle sprechen kann. Erfreulicher Weise haben es viele Unteroffiziere geschafft, auch mit ihrem höheren Alter im Innen­dienst Fuß zu fassen. Einige aber sind mit der gestellten Aufgabe überfor­dert und gefährdet in eine Depression zu rutschen. Und soweit darf es nicht kommen!

Wenn der Gesetzgeber das Penions­alter für den Soldaten so hoch anlegt, wie in keiner anderen Armee, dann darf aus dem Altwerden kein Nach­teil entstehen. Unsere Aufgabe wird es daher sein müssen, eine Balance zwischen Jung und Alt zu finden – zum Wohle des Dienstbetriebes und für unser Bundesheer.